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Nichts Neues unter der Sonne

31. Oktober 2008

Nachfolgend eine Veröffentlichung von Kurt Tucholsky aus dem Jahr 1930 :

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.
Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen – echt famos!
Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.
Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.
Trifft’s hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!
Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.
Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.
Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und – das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!
Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.
Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.

1930 veröffentlicht in “Die Weltbühne”

Besorgniserregende Ausschreitungen gegen Christen in Indien

23. Oktober 2008

Martin Schindehütte, Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), äußerte sich nach einem Gespräch mit Pran R. Parichha, dem Präsident des Gesamtindischen Christenrates, besorgt darüber, dass es in Indien in letzter Zeit vermehrt zu gewalttätigen Ausschreitungen gegen Christen gekommen sei. Besonders beunruhigend wären die jüngsten Vorkommnisse im Nordosten Indiens.

Im Bundesstaat Orissa, der oft als das Armenhaus Indiens bezeichnet wird, gab es kirchlichen Berichten zufolge in den letzten Monaten Gewalttaten gegen Christen. Als Auslöser der antichristlichen Ausschreitungen gilt die Ermordung eines achtzigjährigen Hindu-Führers und mehrerer seiner Anhänger durch noch unbekannte Täter am 23. August. Die Bluttat wurde von radikalen Hindu-Organisationen der christlichen Minderheit zur Last gelegt, die in Indien nur etwa 2,3 Prozent der Gesamtbevölkerung stellt.

Die Mehrheit der Christen im Bundesstaat Orissa besteht aus benachteiligten Ureinwohnern (Adivasi) und Angehörigen der untersten Kasten. Bei zahlreichen Übergriffen in verschiedenen Distrikten des nordöstlichen Bundesstaates seien christliche Schulen, Kirchen, Wohnhäuser und Hütten zerstört worden. Extremisten hätten evangelische und katholische Geistliche auf offener Straße verprügelt. Es habe etliche Todesfälle gegeben, berichteten unter anderem das Nordelbische Missionszentrum in Hamburg und das Missionswerk “Inter Mission”.

Von der aktuellen Situation in Indien ließ sich Bischof Schindehütte im Kirchenamt der EKD in Hannover von Pran R. Parichha, dem Präsidenten des Gesamtindischen Christenrates, in Kenntnis setzen. Dieser wies in dem Gespräch auf die Notwendigkeit hin, eine größere internationale Öffentlichkeit auf die prekäre Lage der Christen in Orissa aufmerksam zu machen. Er erhoffe sich davon auch, dass die indische Zentralregierung entschlossener gegen die antichristlichen Unruhen vorgehe und dem Grundrecht auf freie Religionsausübung zur Geltung verhelfe.

Nach Angaben indischer Agenturen sollen in den Unruheprovinzen über 60.000 Christen in die Wälder oder Auffanglager geflüchtet sein. Extremisten hätten mehr als 4.000 Privathäuser von Angehörigen der christlichen Minderheit geplündert und zerstört. Wie der Präsident der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten im Osten Indiens, Pastor Choudampalli John (Hyderabad), berichtete, seien während der Christenverfolgung seit August allein im Bundesstaat Orissa mindestens 27 adventistische Christen, darunter auch der Pastor der Adventgemeinde in Bakingia, M. Samuel Naik, getötet und 36 adventistische Kirchengebäude zerstört worden. (APD)

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