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Jugend forscht 2008 oder “Viva la Neugier!”

15. September 2008

Nanotechnologie mit Tesafilm und Grafit? Wie das und ein paar andere erstaunliche Dinge funktionieren, erklärten junge Nachwuchsforscherinnen und -forscher Bundeskanzlerin Angela Merkel im Kanzleramt.
Die promovierte Physikerin Angela Merkel freute sich sichtlich über den Besuch der 60 Bundessiegerinnen und Bundessiegern des Wettbewerbs “Jugend forscht”. Die jungen Forscherinnen und Forscher repräsentierten “unsere Hoffnung, die sogenannten MINT-Fächer, also Mathematik, Ingenieurwissenschaften und Naturwissenschaften, voranzubringen”, sagte Merkel.

Die Kanzlerin überreichte den mit 1.700 Euro dotierten Sonderpreis der Bundeskanzlerin für die originellste Arbeit. Der Preis ging an die Gymnasiasten Tobias Kaufmann (16), Luca Banszerus (16) und Michael Schmitz (17) aus Bad Münstereifel.
Den Schülern des St. Michael-Gymnasiums ist es gelungen, Graphen (Betonung auf dem “e”) mit den einfachen Mitteln eines Schullabors herzustellen. Das ist sehr beachtlich für eine atomdünne Kohlenstoffschicht. Dafür haben die Jungforscher einfach ein Stück Klebefilm auf Grafit geklebt. Wieder abgezogen und auf ein Siliziumscheibchen geklebt, waren unterm Mikroskop winzige Graphen-Flöckchen zu erkennen. Der Brechungskontrast des Lichts belegte die Dicke der Probe: genau eine Schicht Kohlenstoffatome.

Gemeinsam mit Fachleuten der Universität Aachen gelang es den Schülern sogar, aus einer Graphen-Probe einen Feldeffekttransistor zu bauen. Graphen ist ein überaus vielversprechender Grundstoff für die Nanotechnologie von morgen. Der Kontakt zu Abiturienten der Schule war durch Betreuungslehrer Walter Stein zustande gekommen.

Junge Forscher braucht das Land

GruppenbildFoto: REGIERUNGonline/Steins Vergrößerung Merkel im Kreis der ausgezeichneten Jungforscher90 Prozent der bisherigen Siegerinnen und Sieger haben sich für ein naturwissenschaftliches Studium entschieden. Beruflich entscheidet sich anschließend mehr als die Hälfte für Forschung und Entwicklung an Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen. “Die Zahlen sprechen für sich!”, so die Bundeskanzlerin.

Dies sei eine gute Nachricht angesichts des drohenden Fachkräftemangel in diesem Bereich. “Wir sagen nichts Dramatisches, sondern nur die Wahrheit, wenn wir sagen, dass wir auf diesem Gebiet nicht genügend Nachwuchs haben”, befand Merkel.

Gleichzeitig appellierte Sie an die Wirtschaft: “Junge Leute, die sich entscheiden, ein ingenieurwissenschaftliches, ein technisches, ein naturwissenschaftliches Studium zu beginnen, entscheiden sich ja nicht gerade dafür, im Studium nichts zu tun. Sie entscheiden sich für ein hartes Studium. Dann muss es auch eine gute Berufsperspektive geben.”

Forschende Mädchen im Kommen

Unter dem Motto “Viva la Neugier!” waren beim diesjährigen 43. Bundeswettbewerb “Jugend forscht” 10.102 Jungforscher und Jungeforscherinnen an den Start gegangen: die zweithöchste Teilnehmerzahl seit den Anfängen des Wettbewerbs im Jahr 1965. Rund 38 Prozent waren Mädchen. Ein Rekord, wie der stellvertretende Geschäftsführer der Stiftung “Jugend forscht”, Nico Kock, betonte.

Die Vergabe der Platzierungen und Sonderpreise fand bereits am 25. Mai in Bremerhaven statt. Sponsor des Bundeswettbewerbs waren in diesem Jahr die Unternehmensverbände im Lande Bremen e.V.

“Jugend forscht” wurde 1965 von Henri Nannen, dem Gründer der Zeitschrift Stern, ins Leben gerufen. Unterstützt wird der Wettbewerb vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, Unternehmen und Schulen. Die Einladung aller Platzierten zu einem Empfang ins Bundeskanzleramt ist Tradition. Die Verleihung des Sonderpreises für die originellste Arbeit gilt als besondere Leistungsmotivation und ist einem Bundessieg gleichgestellt. Der Sonderpreis wurde erstmals 1971 ausgelobt.

Die Jagd auf das “Gott-Teilchen” beginnt

10. September 2008

Auf der Suche nach dem Ursprung des Universums wähnt sich die Menschheit seit heute einem Schritt näher. Das Europäische Kernforschungszentrum (CERN = Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire) in Genf hat den weltweit stärksten Teilchenbeschleuniger in Betrieb genommen. Nach jahrelanger Vorbereitung begannen die Physiker heute damit, den ersten Teilchenstrom in dem 27 Kilometer langen Röhrenring in Gang zu setzen. Es wird allerdings noch Wochen dauern, bis wie geplant zwei Teilchenströme in entgegengesetzter Richtung auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt sind und damit das Aufeinanderprallen von Atomen beobachtet werden kann.

Die Physik gründet derzeit auf dem sogenannten Standardmodell – einer Theorie, die allerdings noch viele Fragen offen lässt. Sie bietet weder eine Erklärung für die Gravitation noch für das Fehlen von Antimaterie im Universum. Zudem kann das Denkmodell nicht erklären, was es mit der «dunklen Materie» auf sich hat – und weshalb Materie eine Masse hat.

Dies sollen die Experimente im LHC in naher Zukunft ändern. Im größten und stärksten Teilchenbeschleuniger aller Zeiten wollen die Forscher zwei gegenläufige Protonenstrahlen mit 99,9999991 Prozent der Lichtgeschwindigkeit aufeinander prallen lassen. Bei den Kollisionen zersplittern die Protonen in noch viel kleinere Elementarteilchen. Pro Sekunde soll es zu 600 Millionen Kollisionen kommen.

Urknall, Gott, Sein wie Gott? Wieviel Wissen brauchen wir?

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