Vatikan fordert UN-Resolution zur Religionsfreiheit
8. November 2007
„Der Heilige Stuhl fordert eine Resolution des UNO-Menschrechtsrates zum Thema Religionsfreiheit“, sagte der Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen (UNO), Erzbischof Celestino Migliore, am 6. November in New York bei einer Sitzung des dritten Ausschusses der UNO-Generalversammlung. Eine solche Resolution könne einen Beitrag zur Konsolidierung des Friedens darstellen. Außerdem würde eine Resolution die Glaubwürdigkeit des UNO-Gremiums stärken. Vielerorts seien Gläubige aller Religionen Opfer von Unterdrückung und Verhöhnung. Die Resolution könne auch zum interreligiösen Dialog ermutigen, ohne diejenigen zu vergessen, die keinerlei Religion angehörten.
Migliore beklagte außerdem, dass immer noch weltweit die Menschenrechte missachtet würden, so das Recht auf Leben, Informationsfreiheit und die Rechtsstaatlichkeit. Problematisch seien auch die Unterdrückung von Dissidenten, eine Familienpolitik gegen den Willen der Eltern, eine restriktive Migrationspolitik, katastrophale Arbeitsbedingungen und die Unterdrückung der Frau.
Der UNO-Menschenrechtsrat mit Sitz in Genf war im vergangenen Jahr neu konstituiert worden. Durch das Wahlverfahren können auch Länder wie China, Saudi-Arabien oder Kuba Mitglied sein, die nicht als Verteidiger von grundlegenden Menschenrechten bekannt sind. Dies hatte immer wieder zu Kritik geführt.
Bereits Ende Oktober hatte der Vatikan vor der UNO in New York eindringlich die Religionsfreiheit gefordert. In einer Debatte während der Vollversammlung wandte sich Erzbischof Celestino Migliore entschieden gegen „Zwangsbekehrungen, Entweihungen von Kultstätten oder Vertreibung von religiösen Minderheiten“. All dies seien Verstöße gegen das Recht auf Religionsfreiheit, das in der UNO-Menschenrechtserklärung festgelegt sei.
Das Recht auf Religionsfreiheit ist in der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UNO“ von 1948 wie folgt formuliert: „Jeder Mensch hat Anspruch auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht umfasst die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung zu wechseln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung allein oder in Gemeinschaft mit anderen in der Öffentlichkeit oder privat durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Vollziehung eines Ritus zu bekunden.“
Die Religionsfreiheit ist auch im UN-Zivilpakt über bürgerliche und politische Rechte (IPbpR) in Artikel18 festgeschrieben.
Unter dem Begriff „Heiliger Stuhl“ wird das Amt des Papstes mit seinen Dienststellen verstanden. Außer dem Träger der päpstlichen Gewalt werden auch die päpstlichen Kongregationen, Gerichte und andere Einrichtungen der römischen Kurie, mit deren Hilfe der Papst die Gesamtkirche regiert, dem Heiligen Stuhl zugerechnet; nicht jedoch der Vatikanstaat, der aber von der päpstlichen Diplomatie mit vertreten wird. Als Völkerrechtssubjekt tauscht der Heilige Stuhl mit zahlreichen Staaten Gesandte aus. Es handelt sich dabei um Nuntien, Pro-Nuntien oder päpstliche Legaten. Derzeit unterhält der Heilige Stuhl zu 178 Staaten volle diplomatische Beziehungen.
So ist der Heilige Stuhl auch Mitglied der Internationalen Atombehörde (IAEA) in Wien, der Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD) in Genf sowie beim Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) in Genf. Ferner entsendet er Beobachter zur UNO sowie einer Vielzahl internationaler Gremien und Sonderorganisationen wie FAO, WTO, WHO, UNESCO und Europarat. Bei all diesen internationalen Organisationen ist der Heilige Stuhl durch „Ständige Vertreter“, „Ständige Beobachter“ oder durch entsprechende Delegationen vertreten. (APD)
Scientology in Spanien als Religionsgemeinschaft anerkannt
7. November 2007
Der Spanische Verwaltungsgerichtshof hat am 31. Oktober entschieden, dass die umstrittene Scientology-Organisation (Iglesia de la Cienciología de España) vom Justizministerium in das Register der offiziell anerkannten Religionsgemeinschaften eingetragen werden muss. Scientology erfülle gemäß der spanischen Verfassung alle rechtlichen Voraussetzungen für eine Anerkennung als Religion, entschieden die Richter. Die Organisation versuche „geistliche, humanistische oder ähnliche Werte“ zu verbreiten. Das Gericht bezog sich bei seiner Entscheidung auch auf das Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte vom April 2007, in welchem festgestellt wird, dass Scientology den Schutz von Artikel 9 der Europäischen Menschenrechtskonvention beanspruchen könne.Im Februar 2005 hatte das spanische Justizministerium eine Eintragung abgelehnt. Dagegen erhob Scientology Klage. Die Organisation kam Anfang der 1980er Jahre nach Spanien. 2004 eröffnete sie eine neues Zentrum in Madrid. Die Ideologie der Scientologen geht auf den US-amerikanischen Schriftsteller L. Ron Hubbard zurück. Die Organisation mit Sitz in Los Angeles wurde 1954 gegründet und hat nach eigenen Angaben weltweit zehn Millionen Mitglieder. Ihnen werde spirituelles Wachstum und Selbstheilung durch besondere Therapien in Aussicht gestellt. Kritiker betrachten Scientology dagegen als profitorientiertes, mit zweifelhaften Methoden arbeitendes Unternehmen.
In den USA gilt Scientology als „Kirche“. Einige Hollywood-Stars, wie Tom Cruise, sind bekennende Scientologen. Im September 2007 hatte die Organisation auch in Portugal die staatliche Anerkennung als Religionsgemeinschaft erlangt. In Deutschland beobachtet in den meisten Bundesländern der Verfassungsschutz Scientology. Die Organisation wird von deutschen Behörden als Wirtschaftsvereinigung mit antidemokratischem Charakter angesehen.
Papst trifft König Abdullah
6. November 2007
Der saudiarabische König Abdullah Ibn Abdelasis al-Sa’ud ist am 6. November mit Papst Benedikt XVI. zu einem Gespräch im Vatikan zusammengetroffen. Es handelte sich um den ersten Besuch eines saudischen Monarchen und Hüters der islamischen heiligen Stätten Mekka und Medina bei einem Papst.
Im Mittelpunkt des Gesprächs zwischen Benedikt XVI. und Abdullah stand der Einsatz für den interkulturellen und interreligiösen Dialog, wie der vatikanische Pressesaal nach dem Treffen mitteilte. Beide Seiten hätten im Lauf der als herzlich charakterisierten Unterhaltung auch Themen angesprochen, “die den Gesprächspartnern am Herzen liegen”. Im Blick auf die Christen in Saudi-Arabien habe der Heilige Stuhl seinen Wunsch nach “Wohlergehen für alle Einwohner des Landes” zum Ausdruck gebracht.
Einig waren sich der Papst und der saudische Monarch laut dem Pressesaal über das Ziel des interreligiösen Dialogs, ein friedliches Zusammenleben von Menschen und Nationen zu befördern. Beide sprachen sich für eine Zusammenarbeit von Christen, Muslimen und Juden für Frieden und Gerechtigkeit sowie spirituelle und sittliche Werte aus.
Weiterer Gesprächsgegenstand war den Angaben zufolge ein Gedankenaustausch über die Lage im Nahen Osten. Es müsse eine gerechte Lösung für die Konflikte der Region gefunden werden, besonders für den israelisch-palästinensischen Konflikt, hiess es in der Mitteilung des Vatikans.
Die Begrüssung des saudischen Königs durch den Papst verlief nach Vatikanangaben sehr herzlich. Anschliessend hätten sich die beiden zu einem etwa halbstündigen Gespräch in die Bibliothek zurückgezogen. Papst und Monarch bedienten sich laut vatikanischem Presseamt jedoch nicht des ihnen geläufigen Englisch, sondern sprachen in ihren jeweiligen Landessprachen Italienisch und Arabisch mit Hilfe zweier Dolmetscher.
Als Geschenk brachte Abdullah dem Papst ein mit Juwelen besetztes goldenes Prunkschwert mit, ausserdem eine aus Gold und Silber gefertigte Skulptur, die einen Kamelreiter unter einer Palme darstellt. Benedikt XVI. revanchierte sich mit der goldenen Pontifikatsmedaille und einem Renaissance-Stich des Vatikans. In dem zwölf Würdenträger umfassenden Gefolge des Königs befand sich keine Frau, wie es weiter hiess.
Wie die saudische Botschaft in Italien gegenüber “Kathpress” mitteilte, wollte sich Abdullah beim Papst für eine Fortsetzung des interreligiösen Dialogs aussprechen. Das Gesprächsklima zwischen Muslimen und Katholiken sei gerade nach dem Offenen Brief von 138 Islam-Gelehrten entspannter, sagte der Botschaftssprecher. Aus Sicht des saudischen Königs sei es angebracht, das Christen und Muslime gemeinsam eine Friedensbotschaft für die Menschheit lancierten. Als weitere Themen der Begegnung zwischen Papst und Monarch nannte der Sprecher die Situation im Nahen Osten, vor allem nach den Wahlen im Libanon, sowie die saudischen Friedenspläne für den Palästinenserkonflikt und den Irak.
Zum Thema möglicher diplomatischer Beziehungen hiess es von Seiten der Botschaft, detaillierte Verhandlungen müssten nach diesem Spitzengespräch den entsprechenden Delegationen überlassen werden. Der Sprecher verwies darauf, Abdullah habe schon als Kronprinz mit seinen früheren Besuchen bei Johannes Paul II. in den Jahren 1997 und 1999 den Willen zu Kontakten zum Heiligen Stuhl signalisiert.
Das erste Treffen von Papst Benedikt XVI. und König Abdullah wirft ein Schlaglicht auf das heikle Verhältnis zwischen dem Vatikan und Saudi-Arabien. Diplomatische Beziehungen gibt es nicht. Das streng-muslimische Königreich ist der letzte Staat auf der arabischen Halbinsel ohne Apostolischen Nuntius. Der Vatikan prangert seit langem die Diskriminierung von Nicht- Muslimen im Geburtsland des Propheten Mohammed an. Die in allen Landesteilen präsenten Religionspolizisten von der Behörde zur Förderung der Tugend und zur Verhinderung des Lasters wachen streng darüber, dass in Saudi-Arabien keine Religion ausser dem sunnitischen Islam öffentlich praktiziert wird.
Der Papst als Oberhaupt der katholischen Kirche sieht sich besonders als Anwalt der vielen katholischen Ausländer, die als Arbeiter und Angestellte in dem islamischen Königreich leben. Das Gebet in privaten Räumen ist Nicht-Muslimen zwar theoretisch gestattet, in der Praxis werden gemeinschaftliche Gottesdienste jedoch von der Religionspolizei oftmals nicht geduldet. Der Vatikan kritisiert auch das strikte Bauverbot für christliche Kirchen in Saudi-Arabien, das seinerseits ungehindert mit Millionensummen die Errichtung von Moscheen in Europa fördern darf. In Katar und anderen arabischen Golfstaaten gibt es inzwischen christliche Gotteshäuser. Das Herrscherhaus der Ibn Saud begründet sein Verbot damit, dass Saudi-Arabien als Land der heiligen Stätten von Mekka und Medina eine Sonderstellung in der arabischen Welt zukomme.
König Abdullah wurde unter starkem Polizeischutz in den Vatikan chauffiert, begleitet von einer umfangreichen Delegation von Ministern und Mitarbeitern. Das saudische Staatsfernsehen übertrug die Ankunft des 83-jährigen Monarchen auf dem Petersplatz live.
Der saudische Herrscher war am Abend des 5. November mit Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano in dessen Amtssitz auf dem Quirinal zusammengetroffen. Am Vormittag des 6. November standen Begegnungen mit Roms Bürgermeister Walter Veltroni und mit Regierungschef Romano Prodi auf dem Programm.
Evangelische Kirche sucht Dialog mit Moslems
4. November 2007
Die in Deutschland (EKD) will in nächster Zeit noch pointierter die Auseinandersetzung mit dem Islam suchen. Das kündigte der evangelische Bischof Wolfgang Huber, Ratsvorsitzender der EKD, gestern in Dresden an. Huber eröffnete die Synode der deutschen Evangelischen Kirche, die bis Mittwoch dauert. Sie ist das Spitzengremium der 23 evangelischen Landeskirchen.
Immer wieder hat Bischof Huber in den letzten Wochen ernste Fragen an den Islam gestellt. Auch gestern in Dresden formulierte er nicht ohne Schärfe: “Religiöse Pluralität ist der Ernstfall der Religionsfreiheit.” Die evangelische Kirche bejahe freie Religionsausübung auch von Muslimen in Deutschland - “dabei schließt das Ja zum Bau von Moscheen die kritische Auseinandersetzung über den Ort und die Größe, die Gestaltung oder die Anzahl nicht aus.” Huber wörtlich: “Wir machen unser Ja zur freien Religionsausübung von Muslimen nicht von der Frage abhängig, ob islamisch dominierte Länder den dort lebenden Christen Religionsfreiheit gewähren und auch den Übertritt zum Christentum als Ausdruck der Religionsfreiheit achten. Doch zugleich treten wir nachdrücklich für die Religionsfreiheit als universales Menschenrecht ein.” Er finde sich nicht damit ab, dass heutzutage vor allem Christen in vielen Teilen der Welt unter dem Fehlen von Religionsfreiheit leiden.
Ausführlich beschäftigte sich Bischof Huber mit dem Offenen Brief von etwa 140 Islamgelehrten an das Christentum. Dabei übte er nuancierte Kritik: “Programmatisch stellen die Gelehrten das Bekenntnis zu Mohammed als “dem Boten Gottes” dem Bekenntnis zu dem einen Gott gleichrangig zur Seite; damit verweisen sie von Anfang an auf Unterschiede, denen ebensolche Aufmerksamkeit gelten muss wie den Gemeinsamkeiten.” Generell hat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche ganz und gar nicht den Eindruck, “dass durch dieses Dokument an der Vorstellung von der Endgültigkeit und Unüberbietbarkeit des Islam irgendwelche Abstriche gemacht werden.”
Dass es über ein Papier der EKD zum Gespräch mit dem Islam zu einer teilweise heftigen Debatte gekommen ist, stört Bischof Huber nicht: “Ich begrüße diese Debatte; sie kann dazu beitragen, dass Missverständnisse überwunden, Gemeinsamkeiten gestärkt und Differenzen in weiterführender Weise bearbeitet werden.” Nachdrücklich wendet sich Huber aber gegen Vorstellungen, die Christen sollten ihr Verhältnis zum Islam auf die gleiche Stufe stellen wie das zum Judentum, und darum müsse auch interreligiöses Gespräch ein Trialog sein, also Christen, Juden und Moslems umfassen. “Für die Evangelische Kirche in Deutschland steht dem Vorschlag eines solchen Trialogs aber insbesondere entgegen, dass das jüdisch-christliche Verhältnis von uns theologisch als einzigartig betrachtet wird.” Im übrigen, so bekräftigte Huber auf das EKD-Papier gestützt, halten Deutschlands Protestanten selbst in Zeiten der interreligiösen Gespräche an der Mission fest - auch über diesen Punkt hatte es Unmut beim Koordinierungsrat der Muslime in Deutschland gegeben.
95 Thesen vor 490 Jahren
31. Oktober 2007
Mit Gottesdiensten, Konzerten und zahlreichen weiteren Veranstaltungen haben Protestanten in ganz Deutschland am Mittwoch den Reformationstag gefeiert. In Wittenberg (Sachsen- Anhalt), im Jahre 1517 Geburtsort der kirchlichen Erneuerung durch Martin Luthers Thesenanschlag, fanden die zentralen Feiern statt. Mehr als 20000 Menschen kamen, um die zwei Festgottesdienste, Vorträge und ein historisches Spektakel mit Handwerksvorführungen, Musikern und Künstlern in der Altstadt zu besuchen. Der Theologe Friedrich Schorlemmer und der Präsident des Gustav-Adolf-Werks, Wilhelm Hüffmeier, riefen in ihren Predigten zu mehr Solidarität unter den Menschen auf.
Die Gesellschaft brauche keine Gleichmacherei, dafür jedoch Gerechtigkeit und Chancengleichheit für alle, sagte Schorlemmer in der Schlosskirche laut vorab verbreitetem Redetext. In der Stadtkirche wurde zur gleichen Zeit der 175. Jahrestag der Gründung des Gustav-Adolf-Werks gefeiert. Seit ihrer Gründung unterstützt die Organisation protestantische Minderheiten in aller Welt. Zum Dank dafür entzündeten Vertreter aus 43 Partnergemeinden in dem bundesweit im Fernsehen übertragenen Gottesdienst eine Kerze.
In Berlin rief der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, dazu auf, christliche „Glaubensglut“ wieder eingehend aus der Bibellektüre zu ziehen. Ihn überkomme „eine gewisse Wehmut“, dass der Reformationstag in Bundesländern wie Berlin als gesetzlicher Feiertag abgeschafft worden sei. „Umso größer ist meine Freude über gut gefüllte Berliner Kirchen am Reformationstag“, sagte er.
In den fünf neuen Bundesländern war dagegen am Mittwoch Feiertag. Beim Festgottesdienst im thüringischen Steinbach-Hallenberg bei Schmalkalden folgte Bischof Christoph Kähler gemeinsam mit seinem Amtskollegen Martin Hein aus Kurhessen-Waldeck den Spuren der heiligen Elisabeth, deren 800. Geburtstag in diesem Jahr begangen wird. In Sachsen fand die zentrale Feier in Borna bei Leipzig statt. Gemeinsam mit Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) nahm Landesbischof Jochen Bohl dort die Dorfkirche von Heuersdorf in Empfang. Das Gotteshaus hatte dem Braunkohletagebau weichen müssen und war in den vergangenen Tagen in einer spektakulären Aktion nach Borna transportiert worden.
Der Überlieferung nach schlug Martin Luther (1483-1546) am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel der Kirche an die Tür der Wittenberger Schlosskirche. Das historisch nicht eindeutig geklärte Datum gilt seither als Geburtsstunde der evangelischen Kirche. Die am gleichen Tag stattfindenden Halloween-Feiern wurden von Kirchenvertretern erneut kritisiert. In einem Interview mit der „Hamburger Morgenpost“ nannte Hannovers Landesbischöfin Margot Kässmann das Fest „völlig albern“. Der evangelische Landesbischof in Bayern, Johannes Friedrich, verurteilte die Halloween-Bräuche am 31. Oktober laut Manuskript seiner Predigt als Mummenschanz und Geschäftemacherei.
Protestantische Länder haben höhere Erwerbsquote
15. Oktober 2007
In protestantisch geprägten Ländern ist die Beschäftigungsquote sechs Prozent höher als in Ländern, in denen andere Religionen vorherrschen. Dies hat der britische Wissenschaftler Horst Feldmann von der Universität Bath herausgefunden. Bei Frauen ist die Quote sogar um elf Prozent größer.
Feldmann untersuchte die Wirtschaftsdaten sowie die religiöse Zugehörigkeit der Bewohner von 80 Ländern. In den Staaten, unter denen sich sowohl Industrieländer als auch Schwellen- und Entwicklungsländer befanden, berücksichtigte er wirtschaftliche Faktoren wie Steuern, Einkommensstruktur, Gewerkschaften und Arbeitsschutzgesetze ebenso wie Kriege und die geographische Lage. Im Mittel liege der Anteil der arbeitenden Menschen in einer protestantisch geprägten Bevölkerung (wie etwa in den USA, Großbritannien, Dänemark und Schweden) sechs Prozent über dem von Staaten, die durch andere Religionen geprägt sind, seien es Katholizismus, Islam, Shinto (wie in Japan) oder Hinduismus.
“Religion hat die Kultur eines Landes geprägt”, sagte Feldmann gegenüber “Spiegel online”. Deutschland, in dem sich Protestanten und Katholiken mit jeweils rund 25 Millionen etwa die Waage halten, zählte der Forscher zur protestantisch geprägten Ländergruppe. Seine Ergebnisse veröffentlichte Feldmann im “American Journal of Economics and Sociology”.
Bereits im Jahr 1904 veröffentlichte der Soziologe Max Weber seine bekannten Thesen vom Einfluss des Protestantismus auf die Wirtschaft: der “Geist des modernen Kapitalismus” habe zwischen dem 16. und dem 18. Jahrhundert im Wesentlichen wegen der protestantischen Ethik ein Aufblühen erlebt, so Weber in seiner Schrift “Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus”. Der britische Ökonom Feldmann sagte gegenüber “Bild der Wissenschaft”: “Allerdings meinte Weber, dass die Religion später ihren Einfluss an staatliche Organisationen verlieren werde.” Dies sei durch seine Studie nun jedoch wiederlegt. Obwohl viele Protestanten keine aktiven Kirchgänger mehr seien, bliebe doch eine kulturelle Prägung, die von Generation zu Generation weitergegeben werde.
Als Gründe für die positive Auswirkung des Protestantismus auf das Wirtschaftssystem, das sich heutzutage in fast allen westlichen Ländern durchgesetzt hat, sah Weber am Anfang des vorigen Jahrhunderts vor allem die “innerweltliche Askese”, insbesondere im Calvinismus. Weber stellte eine auffallend “geringere Beteiligung der Katholiken am modernen Erwerbsleben in Deutschland fest”. Protestanten seien hingegen überzeugt, dass jeder erlaubte Beruf vor Gott gleichen Wert habe und Arbeit eine von Gott gestellte Aufgabe sei.
In weiteren Studien will Feldmann untersuchen, wie sich die Beschäftigung in überwiegend katholisch oder islamisch geprägten Volkswirtschaften entwickelt.







