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Werte und Wertewandel in der Moderne und Postmoderne

11. Oktober 2007

Die sozialkulturelle Entwicklung im Zeichen des Wertewandels – in den westlichen Industriegesellschaften insgesamt und vor allem in der Bundesrepublik, auf die ich mich heute beschränke – spielte und spielt sich in wesentlichem Maße im Bereich der Privatheitsformen ab, mit substantiellen öffentlichen und gesellschaftlich-politischen Weiterungen. Seit den sechziger Jahren hat sich, wie wir schon im nordhessischen Dorf gesehen haben, eine fundamentale Pluralisierung der Privatheitsformen vollzogen, in der sozialen Praxis ebenso wie, eng damit verbunden, hinsichtlich der allgemein akzeptierten Normen und Werte.
Aus der Kernfamilie eines verheirateten Ehepaares mit Kindern, der Norm und auch der Regel in den fünfziger Jahren, bildeten sich allein schon vier Paarkombinationen heraus: nämlich verheiratete und unverheiratete Paare mit und ohne eigene und nicht eigene Kinder. Hinzukamen die Alleinerziehenden sowie die Alleinlebenden und, neuerdings sozial zumindest offiziell nicht mehr geächtet, homosexuelle Lebensgemeinschaften. Fast alle dieser Lebensformen sind als soziale Massenphänomene ebenso neu wie der Tatbestand der gewollten Kinderlosigkeit als akzeptiertes und sozial üblich gewordenes Phänomen – auf diese Weise haben sich die Geburtenraten seit den sechziger Jahren beinahe halbiert, und die Reproduktion der Gesellschaft um den Faktor 0,7 geht inzwischen in die zweite Generation. Diese Pluralisierung der Formen des Zusammenlebens steht in enger Wechselwirkung mit einer Fülle von weiteren Entwicklungen, von denen ich vier herausstellen möchte: Geschlechterbeziehungen, Sexualmoral, Freizeit und Entkirchlichung. Lesen Sie weiter

Voltaire bis Dutschke: Woran orientiert sich eine Gesellschaft ohne Werte und Normen?

19. März 2006

Ziel der Aufklärung war ein gesellschaftlicher Emanzipationsprozess, der traditionelle, auf Frömmigkeit beruhende, autoritäre Geisteshaltungen kritisch zu hinterfragen hatte, um einer ernüchterten Kultur der Vernunft Vorschub zu leisten. Der aufgeklärte Mensch soll nicht mehr den Vorgaben der Obrigkeiten oder von Mode und Zeitgeist vertrauen, sondern nach der Definition von Immanuel Kant aus „seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ ausgehen und sein Leben selbst bestimmt in die Hand nehmen.

Der wichtigste Grundsatz der Aufklärung besagte, dass die Vernunft imstande sei, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Die 68er-Bewegung, protestierte seit Mitte der 1960er Jahre gegen die überkommenen kulturellen, politischen und sozialen Verhältnisse und Normen (Establishment). Die Bewegung fasste weltweite Strömungen zusammen und war deutlich studentisch. In Wechselwirkung mit der 68er-Bewegung standen weiterhin die Flower-Power-Bewegung und die Sexuelle Revolution. Gegenwärtig präsentiert sich unsere Gesellschaft anscheinend orientierungslos, instabil und überwiegend materialistisch ausgerichtet. Gleichzeitig ertönt in den Medien der Ruf nach Rückbesinnung auf verlässliche Normen und Werte. Welcher (Werte-)Wandel ist zu erwarten?

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