Dem Nein der Iren folgte gestern prompt das Aus der Ösis. EM – EU, niemand findet sich in diesem Dschungel noch zurecht. Grüner Tisch und grüner Rasen – der gemeine Bürger wird an den bundesdeutschen Flachbildschirmen schlicht überfordert, wäre da nicht die ordnende Hand unserer allgegenwärtigen und ach so liebenswerten Kanzlerin.
Schon beim Treffen mit Polens Regierungschef Donald Tusk am Donnerstagvormittag in Danzig, hebt sich Angies pfirsich-oranges Jäckchen wohlwollend von der politischen Pinguinschar ab. Bestes Einvernehmen im bilateralen Dialog: Die polnischstämmigen Kicker Klose und Podolski werden sich im Spiel gegen Österreich zurückhalten. Rücksichtnahme auf die Volksseele der befreundeten Nachbarn im Osten. Deren Glaube an ein Weiterkommen im Fußballzirkus scheint nach wie vor ungebrochen.
Kein Wunder also, dass Angie persönlich die Einhaltung der Abmachung überwachen will. Pünktlich zum vorgezogenen Achtelfinale leuchtet denn auch auf den Ehrenplätzen des Wiener Ernst-Happel-Stadions unübersehbar eben dieses pfirsich-orange Jäckchen auf, schwarz-weiß flankiert von sechs fachkompetenten Bundesministern.
Alles verläuft nach Plan, Klose hält sich dezent zurück, Podolski schießt in der 23. Minute einmal ordentlich gegen den österreichischen Macho. Das war’s – zumindest aus polnischer Sicht. Eine Niederlage der Dreisterne-Elf hatte Merkel in Danzig ihrem Duzfreund Tusk dennoch nicht zugesagt. Mit welch unerwarteten Geschick die Kanzlerin in das Spielgeschehen eingreift, zeigt sich ab der 40. Minute.
Wie vereinbart beginnen die beiden Trainer Löw und Hickersberger am Spielfeldrand ein lautstarkes Geplänkel. Der spanische Referee greift ein und schickt die Kampfhähne auf die Ränge. – So funktioniert Europa: Lautes Palaver am grünen Tisch und anschließend händchenhaltend in der Masse untertauchen. Wie jetzt auch auf dem grünen Rasen zu Wien: Der Deutsche und der Österreicher gratulierten sich händeschüttelnd nach dem gelungenen Coup und Jogis tailliert-abgenähtes Hemd droht über der stolzen Brust beinahe zu platzen, so sehr schnell bemüht er sich, in die Arme unserer Kanzlerin zu fliehen.
Jetzt zeigt Angie ihr wahres Führungsgeschick. Sie herzt kurz und freundlich den Bundestrainer. Ein knapper Wortwechsel. Die Zuschauer blicken erwartungsvoll – nein, nicht auf den Jogi – auf die Kanzlerin. Alle Spieler halten Blickkontakt zur Ehrentribüne. Da – in der 46 Minute geschieht das Unglaubliche. Angie setzt flink ihr rahmenloses Brillchen auf, fingert etwas ungelenkig in den Taschen ihres pfirsich-orangen Jäckchens und kramt ihr Handy hervor. Ja, sie schickt tatsächlich eine ihrer inzwischen legendär gewordenen SMS. Auf dem Platz zuckt unser schwarzgelockter Spielführer zusammen. Turbulenzen auf dem Spielfeld – und dann in der 48. Minute, Freistoß für Ballack – Tooooor! – Ganz Deutschland im Freudentaumel.
Unserer Republik ist auf dem europäischen Parkett wieder ein gewaltiger Schritt nach vorn gelungen. Und wir sind sicher: Es wird weitergehen – mit Irland, mit der EU und mit der EM. Angela wird das regeln, am Donnerstag beim Treffen der 27 Staats- und Regierungschefs in Brüssel. Dann spielt Deutschland gegen Portugal und da werden Angela und ihr portugiesischer Amtskollege Jose Sócrates Carvalho Pinto von Sousa beim gemeinsamen Fernsehen in den Spielpausen den „COWen vom Eis“ holen. Und ganz nebenbei schickt Angie ein paar strategische Tipps via SMS an unseren Bundes-Jogi. Und alles wird gut.












[...] Schon beim Treffen mit Polens Regierungschef Donald Tusk am Donnerstagvormittag in Danzig, hebt sich Angies pfirsich-oranges Jäckchen wohlwollend von der politischen Pinguinschar ab. Bestes Einvernehmen im bilateralen Dialog: Die polnischstämmigen Kicker Klose und Podolski werden sich im Spiel gegen Österreich zurückhalten. Rücksichtnahme auf die Volksseele der befreundeten Nachbarn im Osten. Deren Glaube an ein Weiterkommen im Fußballzirkus scheint nach wie vor ungebrochen. (Der vollständige Text bei leadership.info) [...]