95 Thesen vor 490 Jahren
31. Oktober 2007
Mit Gottesdiensten, Konzerten und zahlreichen weiteren Veranstaltungen haben Protestanten in ganz Deutschland am Mittwoch den Reformationstag gefeiert. In Wittenberg (Sachsen- Anhalt), im Jahre 1517 Geburtsort der kirchlichen Erneuerung durch Martin Luthers Thesenanschlag, fanden die zentralen Feiern statt. Mehr als 20000 Menschen kamen, um die zwei Festgottesdienste, Vorträge und ein historisches Spektakel mit Handwerksvorführungen, Musikern und Künstlern in der Altstadt zu besuchen. Der Theologe Friedrich Schorlemmer und der Präsident des Gustav-Adolf-Werks, Wilhelm Hüffmeier, riefen in ihren Predigten zu mehr Solidarität unter den Menschen auf.
Die Gesellschaft brauche keine Gleichmacherei, dafür jedoch Gerechtigkeit und Chancengleichheit für alle, sagte Schorlemmer in der Schlosskirche laut vorab verbreitetem Redetext. In der Stadtkirche wurde zur gleichen Zeit der 175. Jahrestag der Gründung des Gustav-Adolf-Werks gefeiert. Seit ihrer Gründung unterstützt die Organisation protestantische Minderheiten in aller Welt. Zum Dank dafür entzündeten Vertreter aus 43 Partnergemeinden in dem bundesweit im Fernsehen übertragenen Gottesdienst eine Kerze.
In Berlin rief der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, dazu auf, christliche „Glaubensglut“ wieder eingehend aus der Bibellektüre zu ziehen. Ihn überkomme „eine gewisse Wehmut“, dass der Reformationstag in Bundesländern wie Berlin als gesetzlicher Feiertag abgeschafft worden sei. „Umso größer ist meine Freude über gut gefüllte Berliner Kirchen am Reformationstag“, sagte er.
In den fünf neuen Bundesländern war dagegen am Mittwoch Feiertag. Beim Festgottesdienst im thüringischen Steinbach-Hallenberg bei Schmalkalden folgte Bischof Christoph Kähler gemeinsam mit seinem Amtskollegen Martin Hein aus Kurhessen-Waldeck den Spuren der heiligen Elisabeth, deren 800. Geburtstag in diesem Jahr begangen wird. In Sachsen fand die zentrale Feier in Borna bei Leipzig statt. Gemeinsam mit Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) nahm Landesbischof Jochen Bohl dort die Dorfkirche von Heuersdorf in Empfang. Das Gotteshaus hatte dem Braunkohletagebau weichen müssen und war in den vergangenen Tagen in einer spektakulären Aktion nach Borna transportiert worden.
Der Überlieferung nach schlug Martin Luther (1483-1546) am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel der Kirche an die Tür der Wittenberger Schlosskirche. Das historisch nicht eindeutig geklärte Datum gilt seither als Geburtsstunde der evangelischen Kirche. Die am gleichen Tag stattfindenden Halloween-Feiern wurden von Kirchenvertretern erneut kritisiert. In einem Interview mit der „Hamburger Morgenpost“ nannte Hannovers Landesbischöfin Margot Kässmann das Fest „völlig albern“. Der evangelische Landesbischof in Bayern, Johannes Friedrich, verurteilte die Halloween-Bräuche am 31. Oktober laut Manuskript seiner Predigt als Mummenschanz und Geschäftemacherei.






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