Top

Köhler kritisiert Globalisierung

6. November 2007

Bundespräsident Horst Köhler hat zu einem radikalen Umdenken in der globalen Umwelt- und Finanzpolitik aufgerufen. “Die Menschheit verbraucht den Planeten, als hätte sie einen zweiten in Reserve”, sagte Köhler laut Redetext in Berlin bei einer Konferenz des Club of Rome. Wenn der weltweite Kohlendioxid-Ausstoß nicht massiv gesenkt werde, müssten alle die Zeche für die wirtschaftlichen Schäden bezahlen, besonders aber die Menschen auf der südlichen Erdhälfte. “So wie jetzt geht es nämlich nicht unendlich lange weiter”, fügte Köhler hinzu. Der Klimawandel sei nicht zu leugnen und müsse die Menschheit zur Vernunft bringen.

Mit Blick auf die anhaltende Finanzmarktkrise in den USA erklärte der Bundespräsident: “Niemand kann mehr ausschließen, dass die nächste Finanzmarktkrise auf die gesamte Weltwirtschaft durchschlägt und damit rund um den Globus Arbeit und Einkommen der Menschen massiv in Mitleidenschaft zieht.” Die Notenbänker und Finanzminister müssten Antworten auf die Fragen geben, wo die Risiken der Finanzmärkte lägen, wer diese Risiken beherrsche und wer die Kosten trage. “Die internationalen Finanzmärkte haben sich in einem Maße verselbständigt, das Sorge bereiten muss”, sagte der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF). Inzwischen gebe es verschlungene und fast virtuelle Wege für Geldströme.

Köhler sprach sich für mehr internationale Zusammenarbeit aus. Angesichts der Globalisierung sei eine Ordnungs- und Entwicklungspolitik für den ganzen Planeten nötig. “Mit einer kooperativen Weltpolitik fahren alle besser”, sagte der Bundespräsident. Dies erfordere eine Stärkung der Vereinten Nationen. Ein Erfolg sei nur zu erzielen, wenn alle UN-Mitgliedsstaaten guten Willen zeigten.

© Martin Haase

Kommentare

Sie haben etwas zu sagen?





Bottom