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Der Wert einer offenen Vertrauenskultur

23. Oktober 2007

Viele Organisationen sind heute noch durch eine sogenannte Misstrauenskultur, oder sagen wir lieber Kontrollkultur geprägt, die im Grunde genommen als selbstverständlich betrachtet wird. Sie basiert auf dem traditionellen Führungsverständnis und dem zugrunde liegenden Maschinenbild vom Unternehmen und den darin arbeitenden Mitarbeitern als funktionierende Rädchen.
Vertrauen ist eine Risiko behaftete Vorleistung, gewissermaßen ein Vorschuss in Erwartung späterer günstiger Ergebnisse. Wenn jemand Vertrauen in ein gemeinsames Ziel oder andere Personen hat, dann bringt das innerhalb einer Gruppe oder Organisation erhebliche Vorteile: Die Kommunikation läuft leichter, problemloser. Eine größere Offenheit sorgt für mehr Ehrlichkeit; die häufig anzutreffende Filterfunktion wird reduziert. Die Bereitwilligkeit steigt, Informationen schneller und freiwillig zu geben. Gleichzeitig nehmen Kreativität, Lernbereitschaft und Toleranz gegenüber unkonventionellen Ideen zu.
Diese Veränderungen reduzieren, beziehungsweise vermeiden Kosten, indem sie den internen und externen Steuerungs- und Kontrollaufwand auf ein Minimum beschränken. Alles in allem scheint es sicher zu sein, dass die Transaktionskosten durch Vertrauen gesenkt werden.
Neben dem Vertrauen ist die mentale Vernetzung ein weiterer entscheidender Führungsfaktor. Je mehr wir uns als Architekten virtueller Unternehmensstrukturen betätigen, desto klarer erkennen wir die Bedeutung der Vertrauensbasis - und mit ihr die Vorrangigkeit einer mentalen Vernetzung.
Mentale Vernetzung einer Organisation bedeutet: in die gleiche Richtung denken, fühlen und handeln wie die anderen Partner innerhalb des Netzes; und das basiert auf gemeinsamen Zielen, ähnlichen Wertvorstellungen, Verhaltensweisen und Entscheidungsmustern, die mit den langfristigen Unternehmenszielen kongruent sind.
Und genau das wird durch eine starke Organisationskultur repräsentiert. Hierdurch ergibt sich ein ähnliches, wenn nicht gleiches Orientierungssystem für alle Beteiligten, welches zu einer einheitlichen Sichtweise der Dinge führt.
Denken wir einmal daran, wie gleich etwa Politiker der gleichen Partei ein Ereignis beurteilen und wie ungleich Politiker verschiedener Parteien das gleiche Ereignis sehen. er gleiche Wertvorstellungen hat, der beurteilt auch gleiche Sachverhalte ähnlich und versteht sich besser.Das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil zur Minimierung von Reibungsverlusten und Koordinationsaufwand, insbesondere bei weltweiter Verteilung.
Ähnliche Wertvorstellungen bieten auch ein Grundmaß an Stabilität und Kontinuität und sind eine wesentliche Voraussetzung für die Bindung an ein Unternehmen. Sie vermitteln eine Art Heimatgefühl in Zeiten von permanenten Änderungen, denen insbesondere Mitglieder in virtuellen Teams ausgesetzt sind.
Denn je mehr sich die gewohnten Strukturen auflösen, um so mehr müssen andere Werte an deren Stelle treten, sonst wird die Identität mit dem Unternehmen verloren gehen.
Eine starke Unternehmenskultur zeichnet sich dadurch aus, dass die Menschen in der betreffenden Organisation - abgeleitet aus der Vision oder den langfristigen Unternehmenszielen - einem gemeinsamen Leitbild und damit gemeinsamen Werten folgen.
Wird ein gemeinsames Leitbild in einer global verteilten Organisation gelebt und befolgt, dann ist das entfernte Führen von Mitarbeitern erheblich erleichtert, denn es etabliert sich eine gemeinsame Zielsetzung und Vertrauensbasis und es wird ein gemeinsamer Orientierungsrahmen generiert, der bei unklaren Fällen schnellere Entscheidungen und Konsens herbeiführt.

© Martin Haase

Kommentare

Eine Meinung zu “Der Wert einer offenen Vertrauenskultur”

  1. Vertrauen erarbeiten » leadership.info on 23. Oktober 2007 02:02

    [...] kontinuierlicher Prozess, nicht das Ideal, sondern ein Aktionsfeld.  Weiterführender Artikel: Der Wert einer offenen Vertrauenskultur This entry was posted on Dienstag, Oktober 23rd, 2007 at 00:30 and is filed under Daily [...]

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